Güngör zur Tarifrunde für die Beschäftigten bei der AWO Thüringen

„Wer die soziale Infrastruktur trägt – sei es in Kitas, Beratungsstellen, Einrichtungen oder Diensten –, der hat auch Anspruch auf Lohn- und Zeitstandards auf TVöD-Niveau. Ein Angebot, das die Kolleg:innen bei der AWO ein Jahr hinter den TVöD zurücksetzt und über 30 Monate festzurrt, ist kein Kompromiss, sondern ein Machtspiel auf dem Rücken der Beschäftigten“, sagt Lena Saniye Güngör, arbeits- und gewerkschaftspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Thüringer Landtag.

Hintergrund: Am 18. August 2025 endete die erste Verhandlungsrunde zwischen ver.di und dem Arbeitgeberverband der AWO Thüringen ergebnislos. Die Arbeitgeber boten 3 Prozent ab 1. April 2026 und 2,8 Prozent bis Ende 2028 an, verbunden mit einer ungewöhnlich langen Laufzeit. Zugleich wurden Forderungen nach Entlastung, Pflegezulage und fairer Eingruppierung abgewehrt; zeitweise war sogar von einer „Nullrunde“ die Rede, sollten Beschäftigte das Angebot nicht zügig annehmen. „Das ist Druck, keine Lösung“, so Güngör.

Güngör warnt vor einer Nichteinigung im Tarifstreit und den daraus resultierenden Folgekosten und erklärt: „Die AWO arbeitet im sozialstaatlichen Auftrag. Wenn ein großer Träger dauerhaft unter TVöD-Niveau bleibt, beschleunigt das Abwanderung und Fachkräftemangel. Das hat Folgen für Pflege, Jugend- und Sozialarbeit im ganzen Land. Wer heute spart, zahlt morgen doppelt: mit schlechterer Versorgung und höheren Folgekosten.“

Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 20. Oktober 2025 terminiert. Güngör wirft der Arbeitgeberseite vor, mit dem Verweis auf angeblich unklare Refinanzierung schon vor Abschluss zu blockieren und so das Risiko auf die Beschäftigten abzuwälzen. Dazu die Abgeordnete weiter: „Das ist kein ernsthaftes Ringen um Lösungen, sondern ein Abwälzen der Verantwortung auf die Kolleginnen und Kollegen. Der Druck, der aufgrund ökonomischer Prinzipien und der damit verbundenen Finanzierung auf den Sozialverbänden lastet, wird so nur nach unten weitergegeben. Es braucht hier eindeutig mehr Verantwortungsbewusstsein der Landesregierung für eine solide Refinanzierung und mehr langfristige Planungssicherheit. In einem Land, das soziale Infrastruktur ernst nimmt, sind faire Löhne und Entlastung keine Verhandlungsmasse. Sie sind Bedingung dafür, dass Pflege und Soziales funktionieren“, so Güngör. Und fordert abschließend: „Die Beschäftigten haben Anspruch auf Wertschätzung, und zwar in Euro, in Zeit und in Gesundheit. Thüringen muss soziale Arbeit halten, nicht herausdrängen. Dafür braucht es klare Regeln und ein faires Angebot am Tisch und notwendige finanzielle Weichenstellungen aus der Politik“, so Güngör abschließend.